Donnerstag, 9. Februar 2012


Erwachen

Es ist noch tiefer Winter in den Bergen, ob schon es bereits Anfang März ist. Stahlblauer Himmel und Sonnenschein geben der Winterlandschaft eine besondere Note. Der Schnee liegt noch meterhoch, so dass von den Hütten auf der Bussalp lediglich die Dächer herausschauen. Diese sind ebenfalls noch mit einer dicken Schneeschicht überdeckt. Eiszapfen, die in der wärmenden Sonne zu schmelzen beginnen, tropfen mit dem schmelzenden Schnee der Dächer um die Wette, uns singen ihre Melodie zusammen mit den leise gurgelnden Rinnsale und Bächlein, die noch irgendwo unter dem Schnee verborgen liegen.

Am nächsten Tag hat sich die Wettersituation komplett verändert. Vom Wetterhorn, der Fiescherwand oder vom Eiger hört man immer wieder Lawinen ins Tal donnern, denn sehen kann man sie inzwischen nicht mehr, der Nebel ist zu dicht geworden, und die Nebelgrenze nun zu hoch. Dementsprechend war es den ganzen Tag über schon recht düster. Gegen den Abend hin beginnt es aufs Neue zu schneien. Es sieht fast so aus, als ob dieser Winter nie enden wollte.

Der darauffolgende Tag ist nun wieder das pure Gegenteil, schon früh morgens sieht man die Sterne funkeln und der Vollmond trägt das übrige zur Winterstimmung bei. Und als dann später die Sonne über dem Mettenberg zum Vorschein kommt, und der Schnee zu funkeln und glitzern beginnt, war die Winterstimmung perfekt. Das Panorama, das vom Wetterhorn bis zum Gschpaltenhorn sämtliche Berggipfel aufzeigt, ist zusammen mit dem stahlblauen Himmel und den verschneiten Bergen schon eher fast kitschig anzusehen. Ein Bergwinter wie er nicht schöner und üppiger sein kann.

Und doch, einige Wochen später, gegen Ende Mai, scheint dann doch noch der Frühling zu erwachen. Die Sonne scheint immer stärker, die Tage werden immer länger, und so schmilzt auch auf der Bussalp der Schnee langsam dahin und es zeigen sich die aperen Wiesenhänge. Die Natur beginnt sich zu regen, die Vögel wie Bergfinken, Dohlen, Falken und Milane, sie alle verspüren das Neue, das Erwachen der Natur und die schneebedeckten Berge ringsherum tragen ihres zu dieser schönen Stimmung bei.

Über die ganzen Alpweiden ist nun der Frühling hereingebrochen. Enziane, Krokusse, Alpenakelei und dergleichen blühen aufs Schönste. Murmeltiere sonnen sich auf den von der Sonne erwärmten Felsbrocken oder führen freundschaftliche Zweikämpfe aus. Die ersten Hummel und Bienen summen und brummen über die Wiesen und suchen nach blumiger Nahrung. Da und dort liegen noch Schneereste und die Höhen der Burg und das Faulhorn sind noch mit viel Schnee bedeckt. Die kleinen und grösseren Bäche bringen gurgelnd und rauschend das Schmelzwasser aus den höheren Regionen zu Tal und ab und zu donnern kleinere Lawinen vom Wetterhorngipfel herab.

Und so wird es nicht mehr lange dauern, und die Alpweiden auf Bussalp werden vom Glockenklang der Viehherden erklingen. Aus den Schornsteinen der Alphütten wird Rauch vom Holzfeuer, über den die Käsekessi erhitzt werden, aufsteigen und seinen würzigen Duft verbreiten, die Alp erwacht und beginnt für einen Alpsommer lang zu leben. Alpenrosenbüsche erblühen und auch in den Alpwiesen blühen die Margeriten und andere Sommerblumen.

Und wenn dann im Oktober der erste Schnee auf die nun blühenden Heidekrautbüsche fällt, die Bussalp und die Natur in den Alpen wieder langsam in ihren Winterschlaf versinkt, ja, .......dann kann man sich auf das neue Erwachen im nächsten Frühling freuen!

© Hans-Peter Zürcher

Kommentare:

Rosanna Maisch hat gesagt…

Oh lieber Hans-Peter,

deine Erzählart und deine Sprache ist der maßen kontrast- und bilderreich, ich bin förmlich versunken in die erwachende Welt/ Natur der Alpen.. dein grossartiges Werk ist voller Lebendigkeit!!

Herzlichst Rosanna

Jasmin hat gesagt…

…wenn man schon einmal diese wunderschönen Berge und Täler besucht hat, kommt die Erinnerung durch die feine Erzählung zurück.

Ein Reigen durch die Jahreszeiten, ohne Hast und Eile.
Als ob die Zeit stehen geblieben ist und ein wenig Zeit zur Träumen einlädt.. Die Natur im ständigen Wandel…

Grüße von Jasmin